Traumaadaptierte Tanz- und Ausdruckstherapie
Die möglichen Auswirkungen traumatisierender Gewalterfahrungen auf den Körper machen deutlich, wie wichtig es ist, diesen in die Therapie einzubeziehen.
Die psychotherapeutische Körperarbeit birgt eine große Chance, Heilungsprozesse zu unterstützen und zu intensivieren.
Den tanztherapeutischen Schwerpunkt bildet die Körperbildarbeit. Diese umfasst In Anlehnung an Bielefeld (1986) den Gesamtbereich der Körpererfahrung, das Körperschema und das Körperbild.
Das Körperbild wird definiert als der psychologisch-phänomenologische Teilbereich der Körpererfahrung. Es ist als ein inneres Modell aufzufassen, das jeder Mensch von seinem Körper entwickelt hat und immer weiter entwickelt, das sich wandelt und die Grundlage für sein momentanes Körpererleben darstellt. Das Körperbild prägt sowohl bewusst als auch unbewusst das gesamte Selbstbild.
Der therapeutische Prozess:
- Zunächst ist es wichtig, das Bewusstsein und die Akzeptanz gegenüber den körperlichen Abwehrstrategien und Körpergrenzen der Patienten zu entwickeln und deren individuellen Bewältigungsstrategien zu unterstützen,
- Ein Focus liegt in der tanztherapeutischen Arbeit auf ressourcenorientiertem, Ich-stärkendem Vorgehen, d.h., es wird zunächst mit positiv oder neutral besetzten Körperbereichen sowie positiv oder neutral besetzten Bewegungsmöglichkeiten gearbeitet.
- Transparenz von Inhalt und Ziel einer Übung ist wichtig, um Angst zu reduzieren. Weiterhin wird die Mitbestimmung unterstützt und zur aktiven Mitgestaltung ermuntert, um Selbstverantwortung, Selbstbestimmung und Kontrollfähigkeit zu fördern.
- empathisches Mitfühlen und haltgebendes Begleiten unterstützen die Entwicklung von Vertrauen, sich mit dem Trauma auseinanderzusetzen und zu trauern.
- Das körperlich-emotionale Erleben in Verbindung mit tanztherapeutischen Übungen wird im Gespräch reflektiert und in einen Bedeutungskontext gestellt. Das ermöglicht die langfristige Verbindung zwischen emotionalen Inhalten und kognitiver Beurteilung, die Überprüfung und Veränderung kognitiver Schemata und des Selbstbildes.
Ziele
- Sensibilisierung des Körperbewusstseins und der Selbstwahrnehmung
- Förderung der Körperselbstkontrolle und Selbstbestimmung
- Wahrnehmung und Stabilisierung der Körpergrenzen
- Entwicklung eines Zugangs zu Körpergefühlen und Primärbedürfnissen
- Körper- und Bewegungsausdruck ermöglichen
- Förderung der Ausdrucksfähigkeit und Kreativität
- Kommunikation der Körpereinstellung und Änderung der Bewertungshaltung
- Vitalisierung und Integration dissoziierter Körperteile
- Angstfreies Erleben von Körperkontakt
Nutzen
- Stärkung und Förderung der Ressourcen
- Entwicklung eines positiven Körperbildes
- Förderung der Körperwahrnehmung und Achtsamkeit
- Stärkung der Kraft- und Wehrhaftigkeit
- Wahrnehmung von Körper- und Belastungsgrenzen
- Überwindung von Scham- und Schuldgefühlen
- Stärkung der Selbstkontrolle
- Finden eines authentischen Ausdrucks